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Rainald von Dassel

(*1120 †1167)

Band VII (1994) Spalten 1289-1291 Autor: Gertrud Thoma

http://www.bautz.de/bbkl/r/rainald_v_d.shtml

RAINALD von Dassel, Reichskanzler (1156-1167), Erzbischof von Köln und Erzkanzler von Italien (1159-1167), * um 1120, Sohn des niedersächsischen Grafen Reinold von Dassel, + 14.8. 1167 vor Rom. - R. studierte an der Domschule in Hildesheim und wahrscheinlich auch in Frankreich. Als Kanoniker (ab 1146) und Propst (wahrscheinlich ab 1148) am Domstift von Hildesheim, des weiteren Propst in Goslar, Münster, Maastricht und Xanten erwarb er sich Verwaltungs- und auch politische Erfahrung. In Hildesheim ließ er das Johannisspital, den Kirchturm an St. Moritz und eine Steinbrücke bauen. Die Wahl zum Bischof von Hildesheim 1153 lehnte er ab. Über Wibald von Stablo kam er in Kontakt zum Hof und war 1152/3 an Verhandlungen der königlichen Gesandtschaft in Rom beteiligt. 1156 wurde er von Friedrich Barbarossa zum Reichskanzler ernannt. Auf dem Reichstag von Besançon 1157 warf er, um von Vorwürfen gegen den Kaiser abzulenken, mit seiner in Deutschland Entrüstung gegen den Papst hervorrufenden Übersetzung des päpstlichen Schreibens die latente Grundsatzfrage nach dem Verhältnis von Papst und Kaiser auf. 1158/9 bereitete er als einer der beiden Reichslegaten erfolgreich den Kampf gegen Mailand und die Wiederherstellung der Reichsrechte in Italien vor. Als der Erzbischof von Köln überraschend starb, wurde R. 1159 zum Nachfolger gewählt (geweiht erst 1165), kehrte aber nach einem kurzen Aufenthalt in Köln mit neuen Truppen nach Italien zurück und reorganisierte 1162/3 die Reichsgutverwaltung in der Toskana. Mehrmals war R. mit Verhandlungen mit England und Frankreich betraut. Seine abschätzige Bezeichnung des französischen Königs als Provinzkönig auf der Versammlung von St. Jean de Losne ist als Überheblichkeit zu verstehen beim Versuch, einen politischen Misserfolg zu überspielen, nicht als imperialistischer Anspruch. Der Gedanke der Weltherrschaft taucht zwar bei dem R. eng verbundenen Archipoeta auf, war aber nie politisches Programm. Durch R.s eigenmächtiges Handeln bei der Erhebung des neuen Gegenpapstes Paschalis III. 1164 wurde die Chance eines Ausgleichs mit Alexander III., der R. 1163 gebannt hatte, vertan. Mit Zustimmung Paschalis' III. wurde 1165 die von R. betriebene Heiligsprechung Karls des Großen vollzogen. Während des vierten Italienzuges Barbarossas erfocht ein Heer unter R.s Leitung einen Sieg über die Römer bei Tuskulum, R. fiel aber kurz nach der Eroberung der Leostadt durch den Kaiser der Malariaepidemie im Lager vor Rom zum Opfer. - R. war für gut ein Jahrzehnt die maßgebliche Persönlichkeit unter den Beratern Kaiser Friedrichs I. und energischer Verfechter der Reichsrechte. Sein Scharfsinn, seine Redegewandtheit, Energie, überdurchschnittliche Bildung, sein herausragendes politisches Talent und organisatorisches Geschick waren gepaart mit Kompromisslosigkeit, Überheblichkeit und Radikalität; damit verlieh er der Reichsidee und -politik scharfe Konturen und steigerte ihre Ansprüche noch, verhinderte aber einen Ausgleich mit dem Papsttum. R.s Tod bedeutete deshalb nicht nur einen großen Verlust für Friedrich I., sondern auch die Möglichkeit, einen neuen politischen Weg zu beschreiten. Für seine Bischofsstadt, in der R. kaum ein Jahr verbrachte, hatte die Überführung der Reliquien der Heiligen Drei Könige aus Mailand (1164) größte Bedeutung.

Kurzfassung:

Rainald von Dassel kämpft im 12. Jahrhundert an der Seite Kaiser Friedrich Barbarossas in Italien gegen die Lombarden und gegen das Papsttum. Um 1120 geboren, wird er 1156 von Barbarossa zum Reichskanzler berufen und ein Jahr später auf nachdrücklichen Wunsch des Kaisers zum Erzbischof von Köln "gewählt".

In den acht Jahren seines Pontifikats hält er sich aufgrund seiner kriegerischen Aktivitäten südlich der Alpen insgesamt weniger als 12 Monate in Köln auf.

Während des Krieges werden in der Kirche des heiligen Eustorgius in der nähe von Mailand angeblich die Gebeine der weisen aus dem Morgenland gefunden. Barbarossa vermacht seinem Freund Rainald diese Kriegsbeute als Geschenk.

Am 23. Juli anno 1164 zieht Rainald laut einem Eintrag in der Kölner Königs-Chronik unter Glockengeläut und unter dem Jubel der Bevölkerung mit den Gebeinen der heiligen drei Könige in Köln ein, "... da er die Reliquien zum ewigen Ruhme Deutschlands nach Köln bringt".

Sein Nachfolger gibt den Dreikönigsschrein in Auftrag, auf dessen Rückseite Rainald heute noch als "Goldjunge" zu bewundern ist.

Rückseite des Dreikönigsschrein

Köln wird zu einem bedeutenden Wallfahrtsort, wobei man wissen muss, dass im Mittelalter in der alten Welt ein reger Reliquienhandel herrscht. Der Besitz von Reliquien ist gleichbedeutend mit Tourismus und somit verbundenen mit städtischem Wohlstand.

Rainald von Dassel stirbt 1167 vor den Toren Roms an Malaria.

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